Kopfstück für das Basler Piccolo

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Fasnachtsclique Birewegge
Foto: Christine Schaub

Es ist beachtlich und erfreulich, was man bei den Basler Piccolospielern in den letzten Jahren/Jahrzehnten an Entwicklungen beobachten konnte: Verbesserungen bei der Spieltechnik und beim musikalischen Ausdruck, eine höhere Differenziertheit des Klangbildes (Mehrstimmigkeit), sowie die Vergrösserung des Marsch-Repertoires, das auch immer anspruchsvoller wird. Mit den „Egger-Köpfen“ möchten wir einen Beitrag leisten zu solchen Entwicklungen.

Das Basler Piccolo hat wegen seiner relativ kurzen Rohrlänge tendenziell steife akustische Spieleigenschaften. Mit einem sehr schwingungsfähigen Kopfrohrstück wollen wir dieser mensurbedingten Eigenschaft entgegen wirken, mit dem Ziel, der musikalischen Interpretation mehr Freiheit einzuräumen. Die Neugestaltung der Geometrie von Mundloch und Rohr sowie viele kleine Details in Konstruktion und Bearbeitung haben zwei Hauptziele:

  1. Mit möglichst wenig Energieaufwand (Blasdruck) soll ein weicher Ton erzielt werden können, der sich leicht modulieren und einfacher auf der richtigen Tonhöhe anspielen lässt.
  2. Es soll ermöglicht werden einen vollen, flötig-reichen Ton zu gestalten.

Die Länge des Kopfrohrstücks beträgt immerhin etwa 1/3 der Gesamtlänge des Piccolos. Das erlaubt uns entsprechend Einfluss zu nehmen um flexiblere Schwingungseigenschaften zu erzielen. Wir setzen dabei Fabrikationstechniken ein, wie sie bei qualitativ hochwertigen Flötenköpfen angewendet werden. Darüber hinaus verwenden wir für den „Interpret Nürnberg“ eine historische Messinglegierung. Die Auswirkungen dieses Spezialbleches finden Sie unter „Der „Interpret“ und der „Interpret Nürnberg“ im Vergleich“.

Was bringt ein Egger Piccolokopf?

  • Dem Könner steht eine reiche Farbpalette und Dynamik zur Verfügung.
  • Dem Anfänger fällt das Spiel leichter, da weniger Blasdruck notwendig ist.
  • Das Anspielen der richtigen Tonhöhe wird durch ein flexibel funktionierendes Kopfstück unterstützt.
  • Die Umstellung von der Querflöte zum Piccolo fällt leicht (Mundloch flötenähnlich).
  • Alle drei Modelle eignen sich grundsätzlich für tiefe wie für hohe Stimmen.

Die drei Mundstück-Modelle sind von der Mensur her mit einem Piccolokörper "Spezial" von Musik Oesch kompatibel.


DAS MODELL "COMFORT"

Das Modell "Comfort" besteht aus einem zylindrischen Messingrohr und ist versilbert

Die Anregenergie wird optimal genutzt, die Töne rasten leicht ein, sodass man auch mit wenig Energie laut und komfortabel spielen kann. Die Klangabstrahlung ist hell und kräftig. Die Einschwingvorgänge sind gut wahrnehmbar und trennen bei Staccato-Partien deutlich. Das Trennungsverhalten ist jedoch auch bei Legato-Partien merkbar. Der angespielte Ton kann mühelos stabil gehalten werden. Dieser Kopf eignet sich besonders für Pfeifer(innen) mit offenem, nicht eng fokussiertem Ansatz.

CHF 598.-


DAS MODELL "INTERPRET Bronze"

Bei diesem Modell wurden Erkenntnisse aus dem historischen Blechblasinstrumentenbau umgesetzt. Das Mundrohr besteht aus einem gelöteten, konischen Bronzerohr, das aus gehämmertem Blech gefertigt wird, was eine spezielle "historische" Oberflächenstruktur ergibt. Die Mundplatte besteht aus Messing. Bei gleicher Anregenergie wird hier ein reichhaltigerer und weicherer Klang abgestrahlt, der sich vor allem im unteren Register bemerkbar macht. Die Einschwingvorgänge wirken dezenter, grosse Intervalle können weicher gebunden werden. Dieser Kopf verlangt auch etwas mehr Energie und Fokus, er funktioniert jedoch flexibler und bietet mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Besonders zu empfehlen ist er beim Spielen einer dritten Stimme, wo sowohl die Klangfülle im tiefen Register, als auch die bereitwillige Ansprache bei weichen Bindungen und beim Kantilenespiel (gesangliches Spielen) gut zur Geltung kommen.

CHF 800.-


DAS MODELL "INTERPRET NÜRNBERG""

Das bewährte Piccolo-Mundstück "Interpret" gibt es nun auch aus einem neuen Material, dem "Nürnberger“ Messing. Es handelt sich dabei um eine Legierung, ähnlich wie sie zur Zeit der Hochblüte des Nürnberger Instrumentenbaus im 18. Jh. verwendet worden ist. Solche Legierungen sind heute im Instrumentenbau nicht mehr gebräuchlich, weil sie in der Bearbeitung deutlich heikler sind. Musikalisch hingegen bewirken sie vor allem eine reichere Klangfarbe und leichte Ansprache (s. Vergleich der Charakteristiken von „Interpret“ und „Interpret Nürnberg“).

CHF 800.-

 

Sebastian Meyer hat dieses neue Modell „Interpret Nürnberg“ und das Modell „Interpret“ getestet und die unterschiedlichen Eigenschaften dieser beiden Mundstücke in folgender Tabelle gegenübergestellt:

 
 InterpretInterpret Nürnberg

Klang

Der „Interpret“ zeichnet sich klanglich durch einen warmen und vollen Sound aus, welcher vor allem in tiefen Lagen zur vollen Geltung kommt. Wem ein eher helles und vor allem brillantes Klangideal vorschwebt, der ist mit dem „Interpret“ aus „Nürnberger“ Messing gut beraten. Der obertonreiche Klang zeigt vor allem in den oberen Lagen seine Stärken.

Ansprache/Dynamik

Dieses Mundstück erfordert eine grössere Anregungsenergie und einen fokussierteren Ansatz als der „Interpret“ aus „Nürnberger“ Messing. Wer diese zusätzliche Energie nicht scheut, wird mit einer grossen Bandbreite an dynamischen und klanglichen Möglichkeiten belohnt. Selbst in höchsten Lagen sprechen die Töne bei diesem Mundstück sehr leicht an. Diese Eigenschaft ermöglicht ein „leichtfüssiges“ Spiel von Staccato-Passagen in allen Lagen und unterstützt auch ein sehr leises Spielen.

Fazit

  • Wer auf der Suche nach einem Piccolokopf ist, welcher hell/brillant klingt und leicht anspricht und wer klangliche Abstriche in der tiefen Lage in Kauf nehmen kann, dem ist ein „Interpret Nürnberg“ zu empfehlen.
  • Wer hingegen einen warmen und dunklen Klang bis in die tiefen Lagen bevorzugt und bereit ist mehr Anregungsenergie in höheren Lagen zu leisten, dem sei ein „Interpret“ empfohlen.

Die drei Mundstück-Modelle sind von der Mensur her mit einem Piccolokörper "Spezial" von Musik Oesch kompatibel.


Februar 2015